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Das Komitee

Samba, Sonne und neue Erfahrungen

Anna-Lena Spandau tauscht Laguna Beach gegen Copa Cabana und möchte brasilianisch tanzen lernen

Von Stefanie Waske

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WOLFENBÜTTEL. Das sei ihr Jahr, sagt Anna-Lenau Spandau. Es beginnt am 31. Juli 2008 und wird die Gymnasiastin nach Brasilien führen. Wohin genau, weiß sie noch nicht.

Erste Station wird auf jeden Fall Sao Paulo sein. Dort findet drei Tage lang ein Einführungscamp statt. Sie reize der große Unterschied zwischen Arm und Reich. Diese Spannung zu erleben, interessiere sie. Nicht ohne Grund: Politik ist neben Deutsch eines ihrer Lieblingsfächer am Gymnasium im Schloss.

Auf die Kriminalität ist sie vorbereitet. "Nur in kleinen Gruppen sollen wir durch die Straßen gehen." Sage die Gastfamilie, diese und jene Straßen seien zu meiden, werde sie sich daran halten. Den Wunsch, weit weg zu gehen, habe sie bereits in der sechsten Klasse gefasst. Drei Länder musste Anna Lena Spandau bei der Vermittlungsorganisation angeben. Ihre Wahl fiel auf Australien, die USA und Brasilien.

Ihr Hobby ist Tanzen. Noch stehen Jazz- und Moderner Tanz ganz oben auf der Liste. Sie fügt hinzu: "Ich möchte natürlich brasilianisch tanzen lernen." Die Musik mache fröhlich. Mit einer anderen Vorliebe wird sie in Brasilien auch richtig liegen: "Ich bin ein Sommer-Mensch, liebe Sonne und Strände."

Sollten die zu langweilig werden, bietet die Austauschorganisation zahlreiche Ausflüge an. Anna-Lena Spandau will alle mitmachen. "Ich weiß ja nicht, ob ich noch einmal nach Brasilien komme."

Zwei große Unsicherheiten gibt es jedoch: Bisher spricht die Schülerin kein Wort Portugiesisch. Wörterbuch und Grammatik sind im Gepäck. In den ersten Wochen werde sie sich mit Händen und Füßen verständigen. "Ich hatte mehrere Austauschschüler aus Russland und Frankreich." Beide Sprachen spreche sie nicht und doch habe die Verständigung funktioniert.

Die andere Unbekannte ist die Familie. Wer dies ist, erfahre sie erst kurz vor der Abreise.

Aus der Braunschweiger Zeitung vom 20.06.2008, www.newsclick.de

Páscoa - Ostern in Brasilien

Osterferien?? Zwei Tage reichen doch locker! Zwei Tage, in denen man sehr viel Zeit in der Kirche verbringt und auf Fleisch, Milch und Eier verzichten muss. Aber von vorne... denn so schlimm war es jetzt auch wieder nicht. Anders, aber schön, denn man freut sich auf Donnerstag und Freitag: vier Tage Wochenende und eben Ostern! Donnerstagmorgen hieß es für mich Ausschlafen - eine meiner Lieblingsbeschäftigungen! Und den Tag ganz normal verbringen. Um 19Uhr dann in die Kirche und dem zweistündigen Gottesdienst zuhören. Danach gibt es eine Art Umzug. Alle Leute begeben sich aus der Kirche, mit Kerzen bewaffnet, heraus und wandern, leise Lieder singend, zu einer anderen Kirche. Die Strenggläubigen verbringen dort die ganze Nacht mit Beten. Alle anderen schauen ab und zu mal vorbei. Außerdem gibt es eingeteilte Gebetsgruppen. Pro Grupe ca. neun Leute, die jeweils eine Stunde lang für das ganze Dorf beten. Anfangs war das ein bisschen gruselig, sektenartig kamen mir die ganzen Traditionen vor. Aber auch interessant. Um 5 Uhr morgens ist das Beten dann vorbei und alle wandern zum "Cruzerão" dem höchsten Punkt des Dorfes. Bis 7 Uhr ist dort Gottesdienst.

Und danach erst einmal nach Hause: SCHLAFEN! Doch nicht etwa ausschlafen. Denn um Punkt 12 Uhr gibt es Essen bei meiner Oma, mit der ganzen Familie. Fleisch, Milch und Eier sind verboten. Dafür gibt es aber leckere Fischgerichte und viel Reis. Es wird viel geredet und erzählt. Musik darf nicht gehört werden und der Fernseher bleibt auch aus. Etwas ungewöhnlich, denn normalerweise läuft der Fernseher meiner Oma 24 Stunden am Tag! Danach machen die Frauen den Abwasch und die Männer entspannen, heute ohne Bier (noch etwas ungewöhnliches!). Um 15 Uhr geht es dann wieder in die Kirche. Es gibt eine Art Krippenspiel und die Müdigkeit macht sich bei allen bemerkbar...
Danach kehren wir nach Hause zurück. Auf die Straße gehen wir heute nicht mehr, denn auch dies ist Teil der Tradition. Doch Schlaf finde ich noch lange nicht, denn die Kinder schlafen nicht ohne ihren Kakau ein. Kakau besteht aus Kakaupulver und MILCH und deshalb wird sich heute in den Schlaf gequengelt und geschrien!
Ich bewundere meine Mutter dafür, dass sie hart bleibt...
Aber auch als die Kinder endlich schlafen, fällt es mir schwer einzuschlafen. Mein Fernseher lächelt mich aus meiner Zimmerecke an. Der Ipod drückt unter meinem Kopfkissen und was spräche jetzt eigentlich gegen einen Hamburger an der Praça??
Aber ich bleibe hart. Entweder ganz oder gar nicht!

Samstag schlafe ich wieder lange. Danach machen meine Schwester und ich Ostereier. Im Supermarkt gibt es ca. kopfgroße Eier zu kaufen, die wir Kinder Sonntag von jedem erwachsenen Familienmitglied geschenkt bekommen werden - und die Familie ist groß! Aber da meine Schwester und ich wieder einmal Mitte des Monats pleite sind, machen wir sie selbst. Nicht perfekt aber mit viel Liebe und Spaß dabei! Ich glaube, das werde ich nächstes Jahr in Deutschland auch wieder machen.
Samstag Abend gibt es dann ein riesiges Fest. Erst lauschen alle dem dreistündigen Gottesdienst und dann geht es zum Fest.
An dem Festplatz wartet eine an ein Kreuz genagelte Puppe auf uns: Juda. Sie ist mit Feuerwerkskörpern geschmückt und wird um Mitternacht in den Himmel geschossen, als Rache für Jesus.
Ich habe versucht zu erklären, dass man Tod nicht mit Tod bekämpfen sollte aber ich bin gescheitert.
Das Fest war sehr schön, mit drei Bands und allen guten Freunden, die ich hier habe. Ein unvergesslicher Abend!
Der Sonntag war ein ganz normaler Tag wie immer. Außer, dass es morgens Ostereier für alle gab und im Laufe des Tages die ganze Familie vorbei kam um den Rest der Ostereier "abzuliefern". Danach Fußball und den Tag in der Familie verbringen.

Alles in allem ein sehr anderes Ostern. Aber sehr schön!

von Anna-Lena (April 2009)

Sonntag - Muttertag

Was für ein schöner Anlass für meine Oma mal wieder für die ganze Familie zu kochen.

Gegen 12Uhr ist die ganze Familie im Esszimmer meiner Oma versammelt und wie immer essen wir reichlich und lecker. Danach mache ich mich mit meinen Cousinen und Geschwistern auf den Weg zu einem der 31 bekannten Wasserfälle der Gegend. Heute ist es der Wasserfall "7 de Setembro". Dieser heißt so, weil am 7.9.18?? dort zum ersten Mal Wasser geflossen ist.

Da es heute richtig schön warm ist, lassen wir die Autos in Boa Nova und fahren mit dem Buggy und den Motorrädern. Wir fünf Frauen in dem Buggy und die Männer auf den Motorrädern.

Nach ca. 45 Minuten Fahrt kommen wir an einer Farm an. Und von dort an gehen wir zu Fuß weiter. Denn der Weg ist sehr schmal, steil und mit Kühen besiedelt! Was sich auch gleich als Problem herausstellt. Denn die normalerweise friedlich auf der Wiese grasenden Kühe haben Nachwuchs und eine Mutter hat sich mit ihrem Kalb auf den Weg gelegt. Sollte uns das aufhalten? Nein. Während sich der weibliche Teil der Gruppe vor Angst fast in die Hose macht, begeben sich die mutigen Männer- eigentlich nur mein Bruder, denn der Rest stirbt auch fast vor Angst- mit einem Ast bewaffnet in Richtung Kuh. Anfangs sieht die Kuh eher belustigt aus, doch als Nélio ihr zu nahe kommt, springt sie ihm entgegen und alle flüchten von dem Weg in die Wiese! Nélio vorneweg!

Die Kuh passiert mit ihrem Kälbchen auf dem Weg und wir suchen das Weite in Richtung Wasserfall. Schöner Schreck...

Dort angekommen relaxen, Fotos machen und genießen, denn das Wasser ist heute eisig und zum Schwimmen zu kalt, aber trotzdem haben wir viel Spaß.

 

Als die Dämmerung eintritt, begeben wir uns auf den Rückweg. Es wäre zu einfach, würde eine gewisse Kuh nicht auf uns warten. Doch die Männer haben aus ihren Fehlern gelernt und sind mutiger geworden. Statt einem Ast gibt es diesmal Steine. Die nicht auf die Kuh, sondern vor die Kuh geworfen werden, um sie in die entgegengesetzte Richtung zu lenken! Es klappt einigermaßen, aber da niemand weiß, was Kühe denken, gleicht der Rest des Weges einem Dauerlauf. Doch die Kuh scheint ermüdet und folgt uns glücklicherweise nicht.

 

Wieder zu Hause gibt es eine zweistöckige Muttertagstorte, eine warme Dusche und den Abendgottesdienst in der Kirche. Und danach fallen alle todmüde ins Bett.

Obwohl ich den Muttertag ohne meine Mutter verbracht habe, war es familiär und einer der schönsten Tage meines Austauschjahres!

von Anna-Lena, Mai 2009