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Keine Abschiedsparty, weil Wiedersehen schon geplant ist


Austauschschülerin Timea Salzmann aus Budapest lebt seit einem Jahr in der Braunschweiger Familie Horn

 

 

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Eine Abschiedsparty wollte sie nicht feiern. Für Timea Salzmann hätte der Abschied dann etwas Endgültiges gehabt. Doch sie möchte ihre Gastfamilie und Freunde in näherer Zukunft wiedersehen. Deshalb wird sie Wilke, Gunnar, Linda und Martha Horn nächste Woche auf einem Bahnsteig des Hauptbahnhofs "auf Wiedersehen" sagen, nach Frankfurt fahren und dort ins Flugzeug nach Budapest steigen.

"In dieser Minute könnte ich alles einpacken und sofort nach Hause fliegen, in der nächsten möchte ich noch ein Jahr bleiben", beschreibt die 17-Jährige ihren momentanen Gemütszustand. Im Gespräch mit der Austauschschülerin aus Ungarn, die über die Austauschorganisation AFS nach Braunschweig kam, wird schnell deutlich, dass sie sich sehr wohlfühlt. Sie sitzt auf einem Sofa im Wohnzimmer ihrer Gastfamilie, und die achtjährige Linda hat sich an sie geschmiegt. Zu Hause hat sie drei jüngere Schwestern, hier sind es zwei. "Diese sind allerdings wesentlich jünger als meine leiblichen Schwestern", sagt Timea.

Als sie vor einem Jahr nach Deutschland kam, habe sie keine Erwartungen gehabt, erzählt die junge Ungarin. "Ich war auch nicht aufgeregt." Sie wusste, dass es hier häufig regnet, dass es in Braunschweig einen Löwen gibt. Doch dass Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, wusste sie nicht. "Ich finde es auch merkwürdig, dass hier eine Frau Regierungschefin ist", sagt Timea.

Sie besuchte die elfte Klasse des Gymnasiums Neue Oberschule, erarbeitete sich ein passables Zeugnis, so dass sie nach einer Prüfung in Budapest im Spätsommer wohl in die zwölfte Klasse einsteigen kann.

Selbstständiger sei sie geworden in diesem Jahr in Deutschland, erwachsener. "Ich bin mit dem Leben zufrieden. Ich lächele mehr als früher, und ich kann jetzt auch mehr aushalten", meint Timea. Natürlich hofft sie, dass Familie und Freunde in ihrer Heimat mit der "neuen Timi" umgehen können.

Für Wilke und Gunnar Horn ist die 17-Jährige ein Mitglied ihrer Familie geworden. "Es ist schwer zu denken, dass sie in einer Woche fährt", sagt Gunnar Horn. Timeas Aufenthalt sei eine richtig positive Erfahrung. "Wir haben viel über Land und Leute erfahren, wie Timeas Eltern leben, wie die politische Lage ist, wie das Schulsystem aufgebaut ist", berichtet der 49-Jährige.

Für ihn sei es besonders interessant gewesen, zu erfahren, wie das Leben in einem ehemaligen Ostblock-Staat funktioniert. "Jetzt ist so viel Spannung aufgebaut, dass ich gern einmal nach Budapest reisen würde." Doch zuvor ist ein Besuch aus der ungarischen Hauptstadt geplant. Zu seinem 50. Geburtstag im Februar hat Gunnar Horn Timea und ihrer Familie nach Braunschweig eingeladen.

Auch Wilke Horn wünscht sich, dass der Kontakt bestehen bleibt. Am Ende des Austauschjahres sagt sie: "Es ist eine spannende Erfahrung, eine andere Kultur kennen zu lernen, vermitteln zu können, was deutsch ist und zu zeigen, dass wir ein demokratisches Land sind und uns kritisch unserer Vergangenheit stellen."

Von Bettina Habermann, Braunschweiger Zeitung, Mittwoch, 01.07.2009 (http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2048/artid/10571038)

02.07.2009 13:19 Alter: 8 Jahre