Sie sind hier: AFS-Komitee Braunschweig > Das Komitee > Erfahrungsberichte > Tabea in Australien > 

1 Monat, 2 Wochen und 5 Tage

Nein, ich zähle die Tage nicht wirklich. Nur jeden Freitag denke ich: "Oh verdammt, schon wieder eine Woche um!"

Richtig, meine Zeit hier scheint bis jetzt wie im Flug zu vergehen. Obwohl ich täglich neue Eindrücke bekomme und obwohl jeder Tag aufs neue spannend für mich ist, kreist der Zeiger auf der Küchenuhr meiner Gastfamilie schnell, anscheinend schneller als der in Deutschland?

Der Hauptgrund für das schnelle Vergehen der Zeit ist wahrscheinlich die Schule hier. Ich stehe um 6 Uhr morgens auf, um 7 Uhr 10 verlasse ich das Haus und um 7 Uhr 20 kommt der Bus. Wenn man bedenkt, dass die Schule eigentlich erst um 9 so richtig anfängt, ist das unheimlich früh. Die Busfahrt an sich ist noch nicht einmal so lang, nur da Phil, der Busfahrer, nach mir und den anderen Schülern meiner Schule noch Schüler einer anderen Schule transportieren muss, muss ich eine Stunde lang in der Schule warten.
Zum Glück kommt meine beste australische Freundin nur wenige Minuten nach mir und Langeweile ist kein großes Thema.
Der Unterricht selbst hier ist okay. Man hat nur sechs Fächer (ich habe Englisch (Pflicht)), Mathe (damit ich's nicht verlerne), Drama (mein absolutes Lieblingsfach hier), Visual Communication (eine Art Kunst, aber es geht mehr um Techniken und um Design), IT (Informatik) und Business Management (wie der Name schon sagt – man schaut sich an, wie Businesse geleitet werden und lernt eine Menge über Wirtschaft). Eine Schulstunde dauert 70 Minuten. Pause gibt es nach der zweiten Stunde für 20 Minuten und nach der dritten Stunde für 45.

Im Anschluss an die vierte Stunde folgt wieder das Warten auf den Bus und, letztendlich, bin ich kurz vor 5 wieder zu Hause. Viel Zeit für Unternehmungen bleibt dann nicht mehr.

An den Wochenenden habe ich bis jetzt jedoch immer etwas vorgehabt. Ich habe zwar noch keine Kängurus gesehen (werde ich in den Osterferien nachholen ;)), aber ich habe schon viele australische Dinge getan, gesehen und gegessen. Vor allem gegessen...

Viele Leute hier fragen mich: “Ist Australien sehr anders als Deutschland?”
Australien ist ziemlich europäisch und etwa 1,2 der 20 Millionen Einwohner sind entweder deutsch oder haben einen deutschen Ursprung. Trotzdem gibt es einige Unterschiede, die jedoch nicht gravierend sind (wenn man mal vom Klima absieht, wobei das hier, in Victoria, gar nicht mal soo verschieden von dem Deutschen ist).

Dass das Schulsystem stark vom Deutschen abweicht, habe ich ja bereits erwähnt – aber ein weiterer Unterschied und für mich eine neue Erfahrung ist, eine Schuluniform zu tragen. Glücklicherweise ist die Uniform meiner Schule hier nicht sonderlich hässlich und da es eine öffentliche Schule ist, sind zum Glück die Farben der Haarbänder etc. egal. Auch sonst wird nicht sehr hart gegen Verstöße in der "Uniformpolitik" vorgegangen. Trotzdem – dadurch, dass ich nicht darüber nachdenken muss, was ich morgens anziehe, kann ich fünf Minuten länger schlafen.
Tu ich aber nicht – ich nutze die Zeit lieber für andere Dinge. Zum Beispiel dafür, meine braunen (!) Haare zu zerstören, indem ich sie seit neuestem täglich glätte... Zu meiner Verteidigung: Aeh... Naja. Also, es muss halt sein.

Liebste Grüße aus Australien, Tabea (April 2009)

Känguruküsse sind eine haarige Sache

Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede.

Ich wurde nämlich wortwörtlich von (m)einem Schatz geküsst, einem zahmen Känguru namens Treasure. Treasure lebt mir ihren vier Stief-Känguru-Geschwistern bei einer Freundin meiner Gastmutter, sie hat alle fünf als Joeys von Roadkills aufgenommen (ein Joey ist ein Babykänguru, das noch im Beutel der Mutter lebt und ein Roadkill ist ein Tier, das auf offener Straße plötzlich aufgrund von Autos verstorben ist).

Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass es nicht meine Absicht war, dieses durchaus niedliche aber potentiell gefährliche Tier zu küssen.

Wie auch immer – in den Osterferien war ich in Broken Hill. Das ist eine ehemalige Minenstadt im Outback von New South Wales, mitten im Nirgendwo, umgeben von nichts, noch mehr nichts, Busch, Roadkills und Emus. Und einigen Minen, die meisten sind jedoch leer und Silber gefördert wird schon lange nicht mehr. Beim Besuchen von einer der besagten Minen (mit dem traumhaften Titel „Daydream Mine“) habe ich einen deutschen Backpacker getroffen. Vor meinem Austauschjahr habe ich ja von vielen gehört, dass es hier unten nur so von Deutschen wimmelt, aber auf der Mornington Peninsula herrschen die Holländer vor, weswegen es schon ganz interessant ist, zu sehen, an wie viel Deutsch man sich überhaupt noch erinnern kann (oder auch nicht). Dumme Situation, wenn einem weder der deutsche, noch der englische Begriff für etwas einfällt… Das scheint aber vielen Austauschschülern so zu gehen.

Ständig erlebe ich hier Dinge, die ich hoffentlich niemals vergessen werde. Nächste Woche ist mein Presentation Ball: „Das ist da, wo die Mädchen alle weiße Kleider tragen und so.”

Ich weiß, die Erklärung hilft nicht sonderlich viel, aber so in etwa, nur auf Englisch, wurde mir der Begriff näher gebracht. Der Presentation Ball ist die offizielle Einführung in die Gesellschaft. Es gibt da eine Folge bei den „Gilmore Girls“…

Wie gesagt, die Mädchen tragen weiße Kleider und die Jungen Anzüge und alle studieren Tänze ein. Der Ball ist DAS Event für den 11. Jahrgang und jetzt, wo er immer näher rückt, Thema Nummer eins.

Und damit ich auch in mein Kleid passe, habe ich mir vorgenommen, eine ganze Woche keine Schokolade zu essen! (Nur dummerweise habe ich erst nachdem ich ihn in der Hand gehalten hatte gemerkt, dass in dem Choc Mint Milkshake, den ich vorhin hatte, Schokolade ist........ Fang ich eben nachher an.)

Außerdem planen meine Gastmutter und ich schon etwas länger (ja, wir sind noch in der Planungsphase!!!) nach der Schule walken zu gehen ... Außerdem werde ich demnächst mit Tanzen anfangen. Wie man sieht also endlich etwas Sport.

Komischerweise hat das Wetter hier jedoch anscheinend den Herbst übersprungen und wir haben hier jetzt Winter. 10 Grad sind ja eigentlich nicht sonderlich wenig, aber wenn alle um einen herum meinen, dass es ja “soooooooooooo kalt” sei, fängt man nach einiger Zeit an, das auch zu glauben. Schnee gibt es zum Glück so gut wie nie hier, nur etwas in den Bergen, aber ich habe nicht die Absicht, diese aufzusuchen. Und obwohl die Great Dividing Range nicht einmal so weit weg von der Mornington Peninsula ist, ist es unglaublich, wie viele meiner Mitschüler hier noch nie Schnee gesehen haben und unverständlicherweise finden alle die Idee von nassem, kaltem Zeug, das von oben kommt, klasse... Jaja, Australier sind schon komisch. Einige mehr als andere und die komischeren stellen Fragen wie “Habt ihr einen König in Deutschland?” oder machen Behauptungen wie “Gemüse ist in Deutschland angemaltes Fleisch.”

Man lernt immer wieder dazu.

 

Von Tabea, Mai 2009